"A journalist who is also a bad programmer, stylized in the style of Gary Larson"

Newsroom zum Eingewöhnen

Alle Redakteure in einem Raum? Klingt nach einer Horrorvorstellung und ist auch eine, wenn man etwa den Newsroom der BBC oder der British Press Association vor Augen hat: Arbeitsbedingungen wie bei Batteriehühnern. Muss aber gar nicht so schlimm sein. Vor einer Woche war ich bei der Frankfurter Rundschau. Die FR setzt in ihrem neuen Redaktionshaus am Frankfurter Südbahnhof auf die Newsroom-Idee, und sie setzt sie äußerst geschmackvoll um. Hier einige Eindrücke.

Erstaunlich, wie leise es hier ist. Ich möchte nicht sagen: mönchisch, aber dafür, dass wir kurz vor fünf allmählich in Andrucknähe kommen und doch schon Druck auf dem Kessel ist, hört man relativ wenig. Da ist der Newsroom von hr-info deutlich lauter, und dort sitzen nur zwölf Redakteure, keine rund sechzig, wie gerade hier. “Unsere Akustikingenieure haben ganze Arbeit geleistet”, sagt Regionalchef Stefan Kuhn, der uns führt; dass das Innere der Halle sehr viel Raum bietet, tut ein Übriges.

Der Newsroom folgt einem “Nabe-und-Speichen”-Design: An den “Speichen”, langen Tischen, die auf die Mitte zuführen, sitzen die Ressorts; an der “Nabe”, dem runden Tisch in der Mitte, die leitenden Redakteure, die über den Tisch die Relevanz ihrer Themen aushandeln: Nach dem Gewicht der Story soll entschieden werden und nicht nach Ressorts. Mehr nachzulesen hier bei der FR selbst (mit einer Infografik, die es erleichtert, sich das Ganze vorzustellen).

In Sachen crossmediales Arbeiten sind drei Dinge bemerkenswert:

  • Die Einrichtung des Newsrooms ging einher mit der faktischen Auflösung der Online-Redaktion. Statt in einer eigenen Redaktion sitzen die Onliner jetzt jeweils bei den Ressorts – und wenn alles so läuft, wie die FR-Kollegen sich das erträumen, dürfen sie sogar das gleiche Redaktionssystem nutzen – und rüschen die Texte der Printredakteure fürs Netz auf. Die wiederum sind verdonnert, nicht nur an ihren Andruck zu denken, sondern haben drei “touch points”, zu denen sie Artikel liefern müssen – wenn ich mich richtig erinnere, um 9, 12 und 15 Uhr.
  • Vier meterhohe Leinwände ermöglichen Themenbeobachtung. Auf einem wechseln regionale News-Seiten ab (etwa hr-online), auf dem  nächsten überregionale wie SpOn und Tagesschau, auf dem dritten läuft ein TV-Infoprogramm, der vierte lag brach, als wir vorbeikamen. Interessanterweise scheint es deutlich schwieriger zu sein, sich die Klickraten vor Augen zu führen – eine “Hitzekarte” der online geklickten Dinge hat die FR nicht; auf die Frage nach Auswertungs-Tools mir geantwortet, ja, die FR habe auf ihrer Website ein “Meist gelesen”/”Meist kommentiert”-Widget im Einsatz.
  • Das eigene Audio- und TV-Studio – das Thomas Knüwer bei seinem Handelsblatt so schmerzlich vermisst – fehlt völlig. Videos sind für die FR zwar von Interesse. Sie hat sich aber entschieden, dass es sie zu teuer käme, Bewegtbild in einer professionellen Qualität zu produzieren und ist auch mit dem nicht recht zufrieden, was man von rhein-mainischen Korrespondenten diverser Agenturen kaufen kann. Sie wartet lieber auf einen starken Partner.

Alle Redakteure in einem Raum? Klingt nach einer Horrorvorstellung und ist auch eine, wenn man etwa den Newsroom der BBC vor Augen hat: Arbeitsbedingungen wie bei Batteriehühnern.

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